Zwei Jahre Selbständigkeit und wie ich eigentlich zur Fotografie kam

Heute, am 01.07.2017, feiere ich mein zweijähriges Jubiläum in der Selbständigkeit. Dies möchte ich zum Anlass nehmen, euch zu erzählen, wie ich eigentlich zur Fotografie kam.

Fangen wir mal ganz vorne an:

Vermutlich kennt es jeder von euch – diese Momente in der Kindheit, in denen man sich mit Mamis und Papis Kamera bewaffnet und auf alles schießt, was einem vor die Linse kommt… Genau so war es bei mir auch. Ich merkte allerdings recht schnell, dass ich daran ein großes Interesse hatte, was im Zeitalter der analogen Fotografie zur Folge hatte, dass wir zuhause Schubladen voller Fotos hatten und immer noch haben. Dies lag allerdings nicht nur an mir – nein, auch meine Eltern sind leidenschaftliche Hobby-Fotografen, was mit Sicherheit auch zur Folge hatte, dass es Unmengen an Bildern gibt, welche meinem Bruder und mir heute vielleicht etwas peinlich sein könnten.

Wann genau ich diese Liebe zur Fotografie für mich entdeckt habe, weiß ich allerdings gar nicht mehr genau. Ich erinnere mich allerdings daran, dass meine Eltern vor vielen Jahren viel Geld in eine der ersten Digitalkameras investiert haben, welche wir immer noch haben. Da ich mit dieser Kamera nicht so hohe Kosten verursachen konnte, wie mit der guten alten Analogkamera, durfte ich mit ihr gemeinsam viele schöne Stunden verbringen. Zu der Zeit war ich ungefähr zwölf oder 13 Jahre alt. Einmal durfte ich sie dann sogar mit auf eine Klassenfahrt nehmen.

Mit 14 Jahren, mittlerweile war die Fotografie eines meiner liebsten Hobbys, habe ich dann mal zwei Filme auf unserer alten digitalen Spiegelreflex-Kamera voll geknallt. Mein Fotomodel, damals wie heute: Eni <3
Wir beide waren von dem Ergebnis total begeistert, da sie die Bilder qualitativ enorm von denen, welche ich mit der normalen Digitalkamera geschossen habe, unterschieden haben.
In der 8. Klasse stand für mich in der Schule  ein handwerkliches Praktikum an. Sobald es um das Arbeiten ging, war ich immer die erste in meiner Klasse, die einen Platz hatte. Für mich stand ganz klar fest – ich will zu einem Fotografen!
Leider gestaltete es sich etwas schwierig, einen Platz in dieser Branche zu finden, sodass ich im Restaurant Pfaffenberg in Wiehl in den Aufgabenbereich einer Köchin hineinschnuppern durfte. Da mir diese Arbeit total gut gefallen hat, stand nach dem Praktikum fest: Ich werde Köchin!

An dieser Stelle meiner Geschichte spielt mein Vater nun eine entscheidende Rolle, da er sich meiner Liebe für die Fotografie bewusst war und mich dazu motivierte, trotz dem schönen Praktikum in einer Restaurantküche, mich nochmals mit dem Beruf des Fotografen auseinanderzusetzen und mir ein professionelles Studio anzugucken. Gesagt getan… Ich recherchierte etwas im Internet und stieß dort auf ein Fotostudio in Gummersbach, welches auf den ersten Blick direkt mehr zu bieten hatte, als Pass- und Bewerbungsbilder.

Diejenigen von euch, die mich ein bisschen besser kennen, wissen an dieser Stelle, dass dies ein entscheidender Moment auf meinem Weg zur Fotografin war.
Bei dem Studio, welches ich im Internet fand, handelte es sich nämlich um das Fotostudio von Lina Sommer. Ich beschloss, mich dort für einen Praktikumsplatz zu bewerben und wurde sogar genommen – als Tagespraktikantin.
Zur der Zeit war ich ca. 14 ½ Jahre alt und erhielt die Gelegenheit, zumindest für einen Tag in den Job der Fotografin reinzuschnuppern.
Aus dem Tagespraktikum wurde dann eine 2 ½ -jährige Zusammenarbeit, welche sich so gestaltete, dass ich Lina oftmals am Wochenende oder in den Schulferien begleiten durfte und dadurch immer mehr Einblicke erhalten habe. Da man in diesem Alter ja schwierig an einen Führerschein kommt, hieß es für mich immer wieder: Ab in den Bus und auf nach Gummersbach.
Aber es hat sich definitiv gelohnt. Manchmal durfte ich sogar aktiv eingreifen und Lina bei ihrer Arbeit helfen. Aber oft habe ich auch einfach nur dabei gesessen und zugeschaut.

Vielen von euch wissen auch, dass ich jetzt nicht unbedingt die Schülerin war, die sich jeden Morgen darauf gefreut hat, endlich wieder in die Schule zu dürfen. Nein, ich habe diese tägliche Verpflichtung vielmehr gehasst. Aufgrund dessen war ich auch mehr als glücklich, als absehbar war, dass diese Zeit, in welchen ich keine andere Wahl hatte, als die Schulbank zu drücken, bald vorbei sein würde. Die Überlegung, ob ich mich an das Abitur wage oder eine Ausbildung beginne, war für mich deshalb auch recht schnell beantwortet.

Dadurch, dass ich bereits über einen längeren Zeitraum bei Lina reinschnuppern durfte und mich dabei anscheinend nicht ganz dumm angestellt habe, kam sie relativ schnell auf mich zu und drückte mir einen unterschriftsreifen Ausbildungsvertrag in die Hand. Mit der Bitte, dass ich diesen Vertrag doch nun auch bitte mal unterschreiben könne, begann dann meine Ausbildung im Bereich der Fotografie. Ich war einfach so aufgeregt und freute mich unglaublich, dass es nun endlich losging.

Meine Lehrer waren von dieser Idee nicht wirklich angetan und versuchten mich davon zu überzeugen, dass ich weiterhin die Schulbank drücke, um mein Abitur zu machen. Für mich stand zu diesem Zeitpunkt aber fest, dass ich mich definitiv zukünftig meiner Ausbildung widmen wollte – eine Entscheidung, die ich bis heute in keiner einzigen Sekunde bereut habe.
Für mich war es damals einfach der richtige Weg, aber wenn mich heute jemand um Rat bitten würde, würde ich jedem von euch empfehlen: Macht euer Abitur!
Aber diese Entscheidung, die ich damals für mich getroffen habe, lässt sich natürlich nicht pauschalisieren. Jeder von euch sollte sich in dieser Situation wirklich gut überlegen, welcher Weg für sie/ihn der richtige ist.

Nachdem ich nach der 11. Klasse meinen Realschulabschluss mit überraschend guten Noten in der Tasche hatte, konnte es dann endlich losgehen. Ich verließ also die Waldorfschule und startete am 01.08.2012 mit meiner Ausbildung.

Da ich mich in Linas Studio ja schon recht gut auskannte und durch die gemeinsame Zeit schon einige Erfahrungen sammeln durfte, brauchte ich keine lange Einarbeitungszeit. Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, kommen mir immer wieder die Erinnerungen an dieses riesige Studio, welches wir unzählige Male umgeräumt haben, weil es aufgrund seiner Größe einfach total vielfältig ist und diverse Möglichkeiten zur Gestaltung bietet. Das ist nur einer der Gründe, warum ich jeden Tag total gerne zur Arbeit gekommen bin, um meine Ausbildung zu machen.

Natürlich bringt eine Ausbildung auch immer stressige Momente mit sich und es läuft auch nicht immer alles glatt, aber auch diese Momente bringen einen rückblickend immer einen Schritt weiter voran. Und ganz vorbei war es mit dem Schulbank-Drücken leider auch nicht – zweimal pro Woche Woche war Berufsschule angesagt. Da kam bei mir natürlich unfassbar viel Freude auf. Aber da Jammern ja bekanntlich nicht viel bringt, zog ich auch das durch, auch wenn sich meine Einstellung zum Thema Schule in dieser Zeit auch nicht wirklich verbesserte. Positiv war allerdings, dass ich in dieser Zeit auch viele nette Menschen kennenlernen durfte, die der selbe Leidenschaft nachgingen, wie ich es tat.

Nach drei Jahren in der Ausbildung und den abschließenden Prüfungen, welche echt nicht ohne waren, habe ich es dann am 11.06.15 geschafft. Das Ergebnis: BESTANDEN!
Ich war so glücklich – ich bin ausgebildete Fotografin Gesellin.

Für mich stand nun relativ schnell fest, dass ich Lina und ihr Fotostudio nach fast sechs Jahren verlassen werde, um weitere Erfahrungen sammeln zu können. Diese Entscheidung hatte nichts mit der Arbeit oder dem Studio selbst zu tun, aber ich hatte für mich den Anspruch, mich persönlich durch weitere Erfahrungen weiterzuentwickeln.
Wie gesagt, trotz einigen schwierigen und stressigen Tagen, habe ich die Zeit bei Lina Sommer total genossen und bin heute voller Dankbarkeit für diese Zeit, weil ich sonst heute nicht da wäre, wo ich bin, aber manchmal ist es im Leben auch Zeit für eine Veränderung.

Also habe ich, mit dem Plan, anderen Fotografen assistieren zu können, am 01.07.15 ein Kleingewerbe angemeldet. Um dies zu verwirklichen, habe ich mich an den Schreibtisch gesetzt und 40-50 Bewerbungen geschrieben. Leider war das Ergebnis sehr ernüchternd, da meine Bewerbungen entweder nicht beantwortet wurden oder ich Absagen bekam.
Im Nachhinein stellte sich dies allerdings als positive Fügung heraus, da ich so angefangen habe, möglichst viele Termine anzunehmen und mir einen Namen zu machen.
Nachdem ich anfing, meine Dienstleistung zu bewerbe, wurden es noch mehr.

Da die Aufträge immer mehr und größer wurden, blicke ich nun auf mittlerweile zwei Jahre in der Selbstständigkeit zurück, welche wie im Fluge vergangen sind und neben der alltäglichen Arbeit auch ganz viele Highlights geboten haben. Ich durfte viele verschiedene Menschen kennenlernen, Beziehung zu meinen Kunden aufbauen und im November 2016 sogar mein eigenes Studio eröffnen, worüber ich einfach unfassbar glücklich und dankbar bin.

Zusätzlich zu meinen eigenen Terminen, assistiere ich regelmäßig bei anderen Fotografen. Es macht mir einfach total viel Spaß und ich lerne immer wieder neue Dinge kennen, welche mich in meinem Beruf wachsen lassen.

Zurückblickend lässt sich also sagen, dass mein Weg nicht immer einfach war und ich oftmals vor Schwierigkeiten stand, welche mich aber allesamt haben reifen und wachsen lassen. Heute stehe ich mitten im Leben und mitten in der Selbstständigkeit. Ich habe ein eigenes Studio, worüber ich total glücklich bin und welches ich total liebe. Ich bin einfach froh, den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt zu haben und möchte mich bei allen Menschen bedanken, die mich auf diesem Weg begleitet und unterstützt haben.
Es war für mich der perfekte Weg und das Schönste ist, dieser Weg ist noch lange nicht zu Ende.

Ein paar Fotos von mir aus den letzten Jahren: